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In der schwierigen Zeit konnte ich mich immer auf Paul ver-
lassen! sagt die Mutter immer dann, wenn Jonas sie wieder
einmal enttäuscht hat. Eine tote Schwester, ein entfernter
Vater, ein eifersüchtiger Bruder, wird Paul doch wenigstens
von seiner Mutter geliebt -
dachte ich. Paul war der Ältere und Paul war dageblieben,
hatte in der Landeshauptstadt studiert und Gudrun aus dem
hohen Norden geheiratet, um schließlich unweit seiner Eltern
ein baufälliges Landhaus zu erwerben. Der Aufstieg von der
Mietwohnung zum eigenen Haus war kein Traum, sondern
erfolgreiche Planerfüllung.
Gudruns Eltern verkauften ihr Haus im Norden und wurden
zu hilfreichen Nachbarn von Gudrun. Auguste und Friedrich
unterstützten großzügig ihren Paul. Beides hatte einen hohen
Preis. Ich war ebenfalls unterstützt worden, lebe aber immer
noch in einer Mietwohnung. In einer anderen Stadt. Hoch
oben im Norden. Obwohl ich dem Paul seine Rechte als Älte-
stem mit keinem Linsengericht abluchsen konnte, fühle ich
mich ihm gegenüber schuldig wie ein Betrüger.
Als ich ihn einmal darauf anspreche, lacht Paul mich aus, und
als Paul sich wieder beruhigt hat, sagt er: Gefühle sollte man
nicht so ernst nehmen. Da erinnere ich mich meines rat-
suchenden Briefes an den bereits studierenden Bruder. Er
antwortete mit rotunterstrichenen Rechtschreibkorrekturen.
Ein an seiner Überdehnung mürbe gewordener Faden reißt
entzwei und ich werde zugleich um Ballast und einen Anker
erleichtert.
Soviel zu der durch Deinen eingeborenen Sohn initiierten
Bruderliebe.
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