Title:

Rezensionen zum Buch 创Kindskopf``

Main home
Home
Publication List
deutsch
  
ISBN: 3122624605   ISBN: 3122624605   ISBN: 3122624605   ISBN: 3122624605 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

"Kindskopf" ist eine Novelle der besonderen Art. Nach dem Motto "Kleine Ursache, große Wirkung" setzt ein eigentlich gar nicht so außergewöhnlicher Wunsch bei Jonas Brandeiser eine außergewöhnliche Kettenreaktion frei. Gisela will ein Kind mit ihm. Er will nicht, und deshalb flieht Jonas ans Ende der Welt, das er irgendwo in Bayern unweit seines Geburtsortes zu finden sucht. Doch als Jonas sich schließlich in den "unergründlichen See" stürzen will, hat ihn alsbald der elterliche Wohnzimmertisch verschlungen und hält ihn für unbestimmte Zeit in seinem Kornblumen bestickten Leinentuchbauch fest. Und Jonas Brandeiser weiß genau, wer dafür wieder verantwortlich ist ...
Wem das nur "irgendwie" bekannt vorkommt, für den hat Ulrich Karger in zwei kleinen Einschüben die vier alttestamentlichen Jona-"Bücher" zwischen seine vier Kapitel "Kindskopf" gesetzt. Sie korrespondieren keineswegs nur in formaler Hinsicht mit dieser sehr heutigen und vieldeutigen "Heimsuchung" des Jonas Brandeiser. So fällt dessen Flucht nicht von ungefähr gerade auf den 3.10.1990, und der bis zuletzt namenlos bleibende Geburtsort wird zum Synonym heimatlicher Hassliebe - eine deutsch-bayerische Vergangenheitsanmutung, die nie so tut, als wäre da etwas zu "bewältigen". Doch entgegen seiner vor sich her getragenen rationalen Weltsicht, muss Jonas noch immer gegen den von den Eltern oktroyierten, alles möglich machenden Gott ankämpfen. Im Bauch des Tisches mit seinen Kindheiterinnerungen konfrontiert, meint er jedoch gegen IHN leichtes Spiel zu haben. Denn was hierbei wegen seines offengelegten Aberwitzes oft genug das Zwerchfell reizt, lässt einem angesichts der nicht zu übersehenden Tragik gleichzeitig den Atem stocken. Gerade weil es nicht larmoyant und moralinsauer daherkommt.
Wie Karger allein schon dieses zweite, im Original eigentlich nur drei Sätze umfassende Jona-Buch mit dem (Er-)Leben bayerischer Herkunft füllt und daraus dann einen bestechenden wie überzeugenden Übergang für die beiden nachfolgenden Kapitel in Berlin findet, beweist neben der kenntnisreich souveränen Aneignung der Vorlage hohen Einfallsreichtum und großes Sprachvermögen.
Sowenig sein Jonas letztlich die Präsenz Gottes als ein allem menschlichen Wollen übergeordnetes Drittes anzweifeln kann, so heftig bestreitet er nach Art der Psalmisten das klaglose Hinnehmen Seines Willens. Karger hat damit ein heftig gegen den Strich gebürstetes Stück Literatur entwickelt, das weit über die Zugehörigkeit irgendeiner Glaubensgemeinschaft hinauszuweisen vermag. Und das ist schon wirklich außergewöhnlich.

Gerd Perlhuhn
Religion heute Nr. 50
Juni 2002

 

„Alle schreiben von Berlin, Ulrich Karger fährt davon. Schlägt die Tür hinter sich zu und bricht auf in die süddeutsche Heimat. Da er aber Jonas heißt und mit dem biblischen manche Strecke teilt, wird er am Ende wiederkommen.
Dazwischen aber Heimat: die Eltern, die Wohnung, der Ort, der Pfarrer und alle Mühsal des Davonkommens. Heimat - Quelle, Wald, Mütterlein, Linde und Bächlein? Ade, alles ist sehr nüchtern: der erste Fernseher, das Auto, die Krankheiten, der Tod des Vaters.
Karger, Jahrgang 57, zieht erzählend eine Zwischenbillanz. Die Sprache ballanciert zwischen unfreiwilligem Gerührtsein und tapferer Distanz - ein Sohn eben besieht sein Leben, ein „Kindskopf“.
Mit Matthias Claudius gibt es nicht nur ein Heimweh, sondern auch wieder das Hinausweh. Seltsam, wenn einer von „Zuhause“ erzählt, hört man zu bis zum Schluss. Das Eigene muss so gut gelernt sein wie das Fremde, daran lässt uns Ulrich Karger teilnehmen, ein wenig melancholisch, sehr sprachfreudig und hörbar menschenfreundlich.“

Helmut Ruppel
Berlin-Brandenburgisches Sonntagsblatt Nr. 30
21. Juli 2002

 

„Jonas Brandeiser, lebt mit seiner Lebensgefährtin Gisela in Berlin. Als Gisela sich ein Kind wünscht, ergreift Jonas die Flucht: er flieht bis ans Ende der Welt, d.h. nach Bayern, wo er, wie zur Kinderzeit, Schutz unter dem Eichentisch der elterlichen Stube sucht. Doch von wegen Schutz, hier wird er mit seiner Vergangenheit, seinen Erinnerungen und seinen Zukunftsängsten konfrontiert.
Wie für seinen Namensvetter Jonas in der Bibel (dessen Geschichte wird textuell wiederholt), der vom Wal verschlungen wird (hier ist es ein Tisch), ist das Ganze eine Auseinandersetzung mit u.a. Gott und mit sich selbst. Jonas kommt am Ende der Geschichte geläutert, viel realistischer und gestärkt unter der bestickten Leinentischdecke hervor. Er ist jetzt bereit seine Verantwortung als Erwachsener und als möglicher Vater zu übernehmen, sehr zum Wohlgefallen Giselas.
Der Autor hat hier eine Novelle in einem besonderen Stil geschrieben. Die Sache mit dem Tisch und die Gespräche / respektiv Auseinandersetzungen mit Gott, ohne religiöse Prätentionen, geben diesem Kurzroman eine sehr speziellen Charakter.“

Marion Rockenbrod
Literatour Nr. 12
Beilage des Luxemburger Tageblatt
23.04.2003

 

  
Die Odyssee. Mit Materialien
von Homer,
Ulrich Karger,
Ute Reuter
Siehe auch:
Homer: Eine Einf黨rung
Die Odyssee (3er DVD-Digipak im edlen Schuber)
(DVD (in DVD & Blu-ray)
2001: Odyssee im Weltraum [Blu-ray]
von Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester, und Daniel Richter (in DVD & Blu-ray)
Sonstige Artikel:
Innocence & Instinct
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

External Links to this site are permitted without prior consent.

Publication List:
Kindskopf
Kindskopf
   
  Main home  |  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Copyright ©  |  Impressum